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Injektoren codieren

Injektoren an MQB-Dieselmotoren mit CarPort codieren (Delphi- und IMA-Variante), Lernwerte zurücksetzen und warum Benziner keine Codierung brauchen.

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Bei Dieselmotoren (TDI) der MQB-Plattform ist jeder Injektor ein Präzisionsbauteil. Damit das Motorsteuergerät jeden Injektor exakt ansteuert, muss es dessen individuellen Korrekturwert kennen. Nach einem Injektor- oder Steuergerätetausch trägst du diese Werte mit CarPort im Reiter Anpassung ein – einen pro Zylinder.

Es gibt dabei zwei Varianten, je nach Hersteller des Injektors:

  • IMA-Code (z. B. Bosch): ein kurzer, auf dem Injektor aufgedruckter Code, den du direkt einträgst.
  • Delphi: ein längerer Kalibriercode, den CarPort je nach Steuergerät als lesbaren Text oder als Hex-Wert anzeigt – im Hex-Fall musst du ihn erst umrechnen (Abschnitt 6).

Diese Anleitung gilt für Dieselmotoren. Warum Benzinmotoren (TSI) keine Codierung brauchen – und was du dort nach einem Injektortausch trotzdem tun solltest – steht in Abschnitt 9.


1. Welche Variante trifft auf dein Fahrzeug zu?

Entscheidend ist der Injektortyp, nicht das Modell. Du erkennst die Variante am Code auf dem Injektor bzw. am Wert, den CarPort in Kanal 768 anzeigt:

Merkmal IMA-Code (Bosch) Delphi
Aufdruck auf dem Injektor kurzer Code, ca. 6–7 Zeichen (z. B. C2GKLL0) langer Code, ca. 20 Zeichen (z. B. BS011KR4BAGY3926RYWZ)
Eingabe in CarPort Code direkt eintragen direkt oder – je nach Darstellung – als Hex (umrechnen, Abschnitt 6)
Wert in Kanal 768 kurzer Code (C2GKLL0) langer Code (BS011…RYWZ) oder Hex (06161A19…1E1E)

Entscheidend ist die Länge des Codes: ein kurzer Code (6–7 Zeichen) ist die IMA-Variante; ein langer Code (ca. 20 Zeichen) – ob als lesbarer Text oder als lange Hex-Zahl – die Delphi-Variante.


2. Voraussetzungen

  • Diagnose-Interface verbunden (Statusleiste unten zeigt z. B. „Verbunden mit K+CAN. Adapter bereit.”)
  • Zündung ein, Motor aus
  • Stabile Bordnetzspannung – während des Schreibens darf die Spannung nicht einbrechen (bei Bedarf Ladegerät anschließen)
  • Die Injektoren sind mechanisch fertig eingebaut (neue Dichtringe/ Kupferscheiben, korrektes Drehmoment)

⚠️ Wichtig: Notiere dir vor dem Einbau den Code jedes Injektors zusammen mit dem Zylinder, in den er eingebaut wird. Im eingebauten Zustand ist der Aufdruck oft nicht mehr lesbar – und die Zuordnung Code ↔ Zylinder ist entscheidend (siehe Abschnitt 8).


3. Zugriffsberechtigung

Das Eintragen der Korrekturwerte ist ein schreibender Zugriff. Viele Steuergeräte geben die Anpassung erst frei, nachdem du dich mit einem Zugangscode (Login) angemeldet hast. Ohne diese Freischaltung weist das Steuergerät das Speichern mit der Meldung „Zugriffsberechtigung erforderlich” ab.

  1. Öffne das Steuergerät Adresse 01 – Motorelektronik.
  2. Wechsle auf den Reiter Zugriffsberechtigung.
  3. Trage den Login-Code 27971 ein und bestätige.

Nicht jedes Steuergerät verlangt die Freischaltung – manche akzeptieren die Anpassung direkt. Fordert das Steuergerät sie an, ist 27971 der passende Code für die Injektor-Anpassung. Die Berechtigung gilt für die laufende Sitzung; nach dem Trennen der Verbindung musst du sie erneut eingeben.


4. Anpassung öffnen

  1. Öffne – falls noch nicht geschehen – das Steuergerät Adresse 01 – Motorelektronik.
  2. Wechsle auf den Reiter Anpassung.
  3. Wähle den Kanal „Korrekturwert Injektor 1” (typischerweise 768): Nummer ins Feld „Aktiver Kanal” eintragen oder per Filter nach der Beschreibung suchen.

Die Injektoren liegen auf aufeinanderfolgenden Kanälen – ein Kanal je Zylinder (typische Nummerierung):

Kanal Injektor / Zylinder
768 Injektor 1
769 Injektor 2
770 Injektor 3
771 Injektor 4

⚠️ Die Kanalnummern können je nach Steuergerät abweichen. Orientiere dich daher an der Kanalbeschreibung („Korrekturwert Injektor 1”, „… Injektor 2” …) und nicht allein an der Nummer. Ein Vierzylinder hat vier Injektor-Kanäle, ein Dreizylinder drei; dass nicht alle Kanäle sichtbar sind, ist je nach Motor normal.


5. Variante A: Injektoren mit IMA-Code

Der IMA-Code steht auf jedem Injektor und wird direkt eingegeben.

  1. Wähle den Kanal mit dem Korrekturewert des Injektors 1.
  2. Trage in der Spalte „Neuer Wert” den Code genau so ein, wie er auf dem Injektor von Zylinder 1 steht.
  3. Klicke auf „Speichern…”.
  4. Wiederhole das für die Kanäle mit den Korrekturewerten der anderen Zylinder mit dem jeweils passenden Injektor-Code.
  5. Lies die Werte zur Kontrolle zurück – Gespeicherter Wert und Neuer Wert müssen übereinstimmen.

Anpassung – Kanal 768 „Korrekturwert Injektor 1” mit IMA-Code in CarPort

Übertrage den Code sehr sorgfältig


6. Variante B: Delphi-Injektoren

Delphi-Injektoren tragen einen längeren Code (ca. 20 Zeichen aus dem Zeichensatz 0–9 und A–Z, jedoch ohne die Zeichen I, O, Q, V). CarPort zeigt den Korrekturwert in Kanal 768 – je nach Steuergerät/Fahrzeug – in einer von zwei Darstellungen:

a) Als lesbaren Code (ASCII). Dann trägst du den auf dem Injektor aufgedruckten Code direkt ein – genau wie beim IMA-Code (Abschnitt 5).

Anpassung – Kanal 768 „Korrekturwert Injektor 1”, Delphi-Code als lesbarer Text (ASCII) in CarPort

b) Als Hex-Zahl. Dann kann der Aufdruck nicht direkt eingetippt werden – du musst ihn zuvor Zeichen für Zeichen in Hex umrechnen (Tabelle unten).

Anpassung – Kanal 768 „Korrekturwert Injektor 1”, Delphi-Code als Hex-Wert in CarPort

Umrechnungstabelle (Aufdruck-Zeichen → Hex)

Jedes Zeichen des Aufdruck-Codes wird zu zwei Hex-Ziffern (Wert 00–1F). Die Buchstaben I, O, Q, V kommen im Delphi-Code nicht vor:

Zeichen Hex Zeichen Hex Zeichen Hex Zeichen Hex
0 00 8 08 G 10 R 18
1 01 9 09 H 11 S 19
2 02 A 0A J 12 T 1A
3 03 B 0B K 13 U 1B
4 04 C 0C L 14 W 1C
5 05 D 0D M 15 X 1D
6 06 E 0E N 16 Y 1E
7 07 F 0F P 17 Z 1F

So rechnest du den Hex-Wert aus

  1. Wandle jedes Zeichen des Aufdruck-Codes über die Tabelle in seine zwei Hex-Ziffern um.
  2. Reihe die Hex-Paare zu einer durchgehenden Zeichenkette aneinander.
  3. Das Ergebnis ist doppelt so lang wie der Aufdruck (20 Zeichen → 40 Hex-Ziffern). Trage es in „Neuer Wert” des passenden Kanals ein (768 = Zyl. 1, 769 = Zyl. 2 …) und klicke „Speichern…”.

Beispiel – der Aufdruck-Code 6NTSRDP265NTE7MU9NYY ergibt genau den Hex-Wert aus dem Hex-Screenshot oben:

6 N T S R D P 2 6 5 N T E 7 M U 9 N Y Y
06 16 1A 19 18 0D 17 02 06 05 16 1A 0E 07 15 1B 09 16 1E 1E

Aneinandergereiht: 06161A19180D17020605161A0E07151B09161E1E

Trägst du in der Hex-Darstellung versehentlich den rohen Aufdruck-Code ein, passt weder Format noch Prüfsumme – der Wert wird abgewiesen. Die fehlende oder fehlerhafte Umrechnung ist der häufigste Stolperstein bei Delphi.


7. Nach der Codierung

Mit der Eingabe der Codes setzt das Steuergerät die im Betrieb gelernten Korrekturwerte der Injektoren zurück. Danach:

  1. Werte übernehmen und prüfen: Nach dem Speichern die Zündung aus, ca. 10 Sekunden warten, Zündung wieder ein – so übernimmt das Steuergerät die Werte sicher. Anschließend die Kanäle erneut auslesen: Gespeicherter Wert muss dem eingetragenen Code jedes Zylinders entsprechen.
  2. Fehlerspeicher löschen – alle Einträge, die durch den Injektortausch (abgezogene Stecker, Startversuche) entstanden sind.
  3. Adaptionsfahrt durchführen: Motor warmfahren und in verschiedenen Last- und Drehzahlbereichen bewegen (auch im Schubbetrieb). Dabei lernt das Steuergerät die neuen Injektoren sauber ein.
  4. Prüfen, dass kein neuer Fehler gespeichert wird und der Motor rund läuft.

Eine formale Kleinstmengenkalibrierung (auch Mengenmittelwert- bzw. Nullmengenadaption) läuft in der Werkstatt als geführte Funktion (z. B. in ODIS) mit betriebswarmem Motor ab. CarPort bietet diese geführte Kalibrierung nicht – für den normalen Injektortausch genügt die Codierung mit anschließender Adaptionsfahrt.


8. Fallstricke

  • Falscher Zylinder: Jeder Code gehört an genau den Kanal des Zylinders, in dem der Injektor sitzt. Vertauschte Injektoren oder Codes führen zu rauem Lauf und schlechten Abgaswerten. Deshalb Code und Einbauposition vorher notieren.
  • Zeichen falsch übertragen: Übertrage jedes Zeichen exakt. Ein möglicherweise gültiger, aber falscher Code (z. B. vom Nachbarzylinder) wird angenommen und verschlechtert den Lauf.
  • Delphi ohne (richtige) Umrechnung: Der auf den Injektoren aufgedruckte Code wird von Steuergeräten mit Hex-Darstellung nicht akzeptiert. Der aufgedruckte Code muss erst mit der Tabelle (Abschnitt 6) umgerechnet und als Hex-Ziffern eingegeben werden.
  • Zugriffsberechtigung fehlt: Verlangt das Steuergerät einen Zugangscode, lässt sich der Wert ohne ihn nicht speichern („Zugriffsberechtigung erforderlich”) – erst über den Reiter Zugriffsberechtigung freischalten (Abschnitt 3).
  • Adaptionsfahrt vergessen: Ohne Adaptionsfahrt kann der Motor die ersten Kilometer unruhig laufen, bis er neu adaptiert hat.
  • Diesel mit Benziner verwechselt: TSI-Benziner brauchen keine Codierung (Abschnitt 9) – dort gibt es kein Eingabefeld für Injektor-Codes.
  • Spannungseinbruch beim Schreiben: Sorge für stabile Bordnetzspannung, sonst kann das Schreiben in das Steuergerät fehlschlagen.
  • Mechanik: Dichtringe/Kupferscheiben erneuern, Injektoren mit korrektem Drehmoment montieren und (falls vorhanden) Spannpratzen/Rücklaufleitungen korrekt anschließen.

9. Benzinmotoren (EA211 / EA888): keine Codierung – aber Lernwerte zurücksetzen

Bei den TSI-Benzinern der MQB-Plattform (EA211: 1.0/1.2/1.4/1.5 TSI; EA888: z. B. Golf GTI/R) werden die Injektoren nicht codiert.

Warum keine Codierung nötig ist

  • Die Benzin-Injektoren tragen keinen IMA-Code – es gibt in den Motorsteuergeräten der Benzin-Motoren keine Anpassungskanäle für Injektorendaten.
  • Das Steuergerät gleicht Fertigungstoleranzen und Verschleiß selbst aus: über die Lambdaregelung (Gemischanpassung) und die Laufunruhe-Überwachung – es erkennt einen aus der Reihe tanzenden Zylinder und passt dessen Einspritzdauer automatisch an.
  • Der Mythos „muss man anlernen” stammt vom Diesel (dort Pflicht) und von einigen Fremdherstellern (z. B. BMW), die auch Benziner codieren. Bei den VW-Benzinern dieser Klasse ist das nicht vorgesehen.

Warum du die Lernwerte trotzdem zurücksetzen solltest

Das Steuergerät hat über tausende Kilometer gelernt, die alten, verschlissenen Injektoren auszugleichen (Trägheit, Verkokung). Werden die neuen Injektoren mit diesen extremen Korrekturwerten angesteuert, kann der Motor in den ersten Betriebsstunden unruhig laufen, ruckeln, schlecht anspringen oder Fehler wie „Gemisch zu fett/zu mager” oder „Verbrennungsaussetzer” setzen – bis er über mehrere Fahrzyklen zurückgeregelt hat.

Setzt du die Lernwerte zurück, startet das System von einem sauberen Nullpunkt, der zu den neuen Injektoren passt. Die Feinadaption beginnt dann sofort korrekt.

Vorgehen:

  1. Fehlerspeicher löschen.
  2. Im Motorsteuergerät (Adresse 01) unter Anpassung bzw. Grundeinstellung den Eintrag zum Zurücksetzen der Lernwerte des Kraftstoffsystems / der Gemischbildung ausführen.
  3. Motor kurz im Leerlauf laufen lassen, anschließend eine Probefahrt unter verschiedenen Lastzuständen – das System adaptiert sich dann schnell neu.

⚠️ Wichtig: Bei Benzin-Direkteinspritzern (FSI) müssen die Teflon-Brennraumringe und die O-Ringe bei jedem Ausbau zwingend erneuert werden; für die Teflonringe ist Spezialwerkzeug nötig. Das gilt unabhängig von der Software.


10. Hinweise

  • Fehlende Kanäle: Je nach Motor und Codierung sind nicht alle Kanäle sichtbar – das ist normal und kein Fehler.
  • Sicherheit: Arbeiten am Common-Rail-System (Drücke bis über 2000 bar) und an der Benzin-Direkteinspritzung nur bei entsprechender Sachkenntnis durchführen.