MQB-Fahrzeuge (wie unter anderem der VW Golf 7 oder der Audi A3 8V) haben an der Hinterachse eine elektrische Parkbremse (EPB): In jedem hinteren Bremssattel sitzt ein Stellmotor, der über eine Spindel im Bremskolben die Parkbremse zuspannt. Bevor du die hinteren Bremsbeläge wechselst, musst du diese Spindel per Diagnose zurückfahren – sonst arbeitest du beim Zurückdrücken des Kolbens gegen die Mechanik und beschädigst Stellmotor oder Getriebe im Sattel.
In CarPort machst du das beim Steuergerät 03 Bremsenelektronik über die Grundeinstellung mit den beiden Blöcken:
| Block | Funktion |
|---|---|
| 929 | Belagwechselmodus starten – Spindeln fahren zurück, Kolben werden freigegeben |
| 928 | Belagwechselmodus beenden – Bremse spannt zu und lernt die neue Belagposition an |
Der Belagwechselmodus ist nur für die Hinterachse nötig. Die vorderen Beläge wechselst du konventionell ohne Diagnosegerät.
1. Voraussetzungen
- Diagnose-Interface ist verbunden (Statusleiste unten zeigt z. B. „Verbunden mit AutoDia K509. Adapter bereit.”)
- Zündung ein, Motor aus
- Ladegerät angeschlossen (siehe Kasten unten)
- Parkbremse gelöst (Kontrollleuchte aus)
- Fahrzeug sicher aufgebockt bzw. auf der Hebebühne, hintere Räder demontiert
⚠️ Warum das Ladegerät Pflicht ist: Während der gesamten Prozedur bleibt die Zündung über längere Zeit eingeschaltet – Steuergeräte, Licht und Lüfter ziehen dabei kräftig Strom, ohne dass die Lichtmaschine nachlädt. Dazu kommen die Stellmotoren selbst: Sie benötigen beim Verfahren viel Strom, und wenn sie in den Anschlag fahren – beim Starten ganz zurück, beim Beenden mit voller Zuspannkraft –, entstehen an beiden Sätteln gleichzeitig kurzzeitige Lastspitzen. Das EPB-System reagiert empfindlich auf Unterspannung: Bricht die Spannung während der Grundeinstellung ein, kann der Vorgang abbrechen, es werden Fehler gespeichert und die Parkbremse bleibt schlimmstenfalls in geöffneter Stellung hängen. Schließe deshalb vor dem Start ein Ladegerät an und lass es bis zum Ende des Belagwechsels angeschlossen.
2. Belagwechselmodus starten (Block 929)
- Wähle das Steuergerät 03 – Bremsenelektronik aus.
- Wechsle zum Reiter Grundeinstellung.
- Trage unter Aktueller Block die
929ein (oder wähle 929 Belagwechselmodus starten in der Liste) und klicke auf Setzen. - Klicke auf Start.

Die Stellmotoren fahren nun hörbar zurück. Warte, bis die Geräusche aufgehört haben (danach sicherheitshalber noch ca. 30 Sekunden), bevor du an den Bremsen arbeitest.
Wichtig: Die Kolben fahren dabei nicht von selbst zurück. Der Stellmotor zieht nur die Spindel im Inneren zurück und gibt den Kolben frei – zurückdrücken musst du ihn anschließend selbst (Schritt 3).
3. Beläge wechseln
Zum Schrauben darfst du die Zündung ausschalten – der Belagwechselmodus bleibt aktiv. Lass das Ladegerät angeschlossen.
- Drücke den Bremskolben mit einem Kolbenrücksteller gerade zurück – nicht drehen! Anders als bei Sätteln mit mechanischer Handbremse wird der EPB-Kolben nur gedrückt.
- Behalte dabei den Bremsflüssigkeitsstand im Ausgleichsbehälter im Auge: Beim Zurückdrücken steigt der Pegel. Wurde zwischenzeitlich nachgefüllt, kann der Behälter überlaufen – sauge bei Bedarf vorher etwas ab (Bremsflüssigkeit greift Lack an).
- Wechsle die Beläge (und ggf. Scheiben) wie gewohnt.
⚠️ Niemals den Parkbremstaster betätigen, solange der Belagwechselmodus aktiv ist oder die Beläge ausgebaut sind! Die Spindeln würden ins Leere fahren bzw. den Kolben ohne Beläge herausdrücken – Verletzungs- und Beschädigungsgefahr.
4. Bremsdruck aufbauen
Betätige nach dem Zusammenbau das Bremspedal mehrmals, bis es fest ist und Widerstand bietet. Erst dann liegen die Kolben mit den neuen Belägen an der Scheibe an – das ist Voraussetzung für den nächsten Schritt.
5. Belagwechselmodus beenden (Block 928)
- Schalte die Zündung wieder ein und öffne erneut 03 – Bremsenelektronik → Grundeinstellung.
- Trage unter Aktueller Block die
928ein (oder wähle 928 Belagwechselmodus beenden) und klicke auf Setzen. - Klicke auf Start und warte, bis die Stellmotoren fertig sind.

Die Kalibrierung ist hier schon enthalten: Beim Beenden spannt die Parkbremse hörbar zu, öffnet wieder und spannt erneut zu. Mit diesem Zuspann-/Löse-Zyklus lernt das Steuergerät die Position der neuen Beläge an. Eine separate Kalibrier-Grundeinstellung ist bei MQB-Fahrzeugen nicht nötig – anders als bei älteren EPB-Systemen (z. B. Passat 3C mit eigenem Steuergerät 53), die nach dem Schließen noch eine eigene Funktionsprüfung verlangten.
6. Ergebnis prüfen
- Betätige die Parkbremse bei getretenem Bremspedal mehrfach über den Taster: zuspannen und wieder lösen. Die Kontrollleuchten müssen danach aus sein.
- Prüfe den Fehlerspeicher des Steuergeräts 03 und lösche ihn bei Bedarf. Ein Eintrag wie „Belagwechselmodus aktiv” während des Vorgangs ist normal und verschwindet nach dem Beenden und dem Parkbremszyklus.
- Betätige vor der ersten Fahrt nochmals mehrfach das Bremspedal, bis es fest ist.
7. Hinweise
- Parkbremse vorher lösen: Ist die Parkbremse beim Start von Block 929 noch zugespannt, bricht die Grundeinstellung ab. Erst lösen, dann starten.
- Abbruch wegen Unterspannung: Bricht der Vorgang ab, lade die Batterie bzw. schließe ein Ladegerät an, lösche den Fehlerspeicher und wiederhole die Prozedur ab Schritt 2.
- Einbremsen: Fahre neue Beläge auf den ersten ca. 200 km schonend ein und vermeide unnötige Vollbremsungen, damit sich Beläge und Scheiben aufeinander einschleifen.
- Nur Hinterachse: Die Blöcke 928/929 betreffen ausschließlich die hinteren Sättel mit EPB-Stellmotoren.