Die Abgasrückführung (AGR) führt einen Teil des Abgases zurück in den Ansaugtrakt. Das gekühlte, sauerstoffarme Abgas senkt die Verbrennungsspitzentemperatur und damit den Stickoxid-Ausstoß (NOₓ). Rußige oder festsitzende AGR-Bauteile führen zu Leistungsverlust, Notlauf, erhöhtem Verbrauch, schwarzem Rauch und Fehlereinträgen wie „Regelabweichung Abgasrückführung”.
Bei MQB-Dieseln steuerst du die AGR-Diagnose mit CarPort über die Grundeinstellung des Steuergeräts 01 – Motorelektronik an. Dort stehen – je nach Motor und Software-Stand – mehrere Routinen zur Verfügung: aktive Funktionsprüfungen, Adaptionen (Anlernen von Lernwerten) und manuelle Prüfungen einzelner Stellglieder.
⚠️ Diese Anleitung erklärt, was die einzelnen AGR-Routinen bewirken. Führe Adaptionen und Prüfungen nur aus, wenn ein konkreter Anlass besteht (Bauteiltausch, Reinigung, gespeicherter Fehler) – nicht „auf Verdacht”.
1. Hochdruck- und Niederdruck-AGR – der Unterschied
Moderne MQB-TDI (z. B. EA288, Euro 6) besitzen häufig zwei getrennte AGR-Strecken, die das Steuergerät je nach Betriebspunkt kombiniert. Beide haben eigene Ventile, Kühler und Grundeinstellungen.
| Hochdruck-AGR (HD-AGR) | Niederdruck-AGR (ND-AGR) | |
|---|---|---|
| Abgas-Entnahme | vor der Turbine (heißes Abgas direkt aus dem Abgaskrümmer) | nach dem Dieselpartikelfilter (gereinigtes, kühleres Abgas) |
| Einleitung | nach der Drosselklappe ins Saugrohr | vor dem Verdichter (Turbolader-Eingang) |
| Weg / Reaktion | kurz, schnelle Regelung | lang, gleichmäßigere Zumischung |
| Wirkbereich | v. a. Warmlauf und niedrige/mittlere Last | v. a. höhere Last und Drehzahl |
| Besonderheit | ungefiltertes, rußhaltiges Abgas → neigt zur Verkokung von Ventil und Kühler | gefiltertes Abgas → weniger Versottung im Ansaugtrakt, geringerer Verbrauchsnachteil |
| Zusatz-Bauteile | AGR-Ventil, AGR-Kühler mit Bypass | ND-AGR-Ventil, Abgasklappe (baut Druckgefälle auf), Differenzdrucksensor, ND-AGR-Kühler |
Kurz gesagt: Die Hochdruck-AGR reagiert schnell und deckt den Warmlauf und den unteren Lastbereich ab, verrußt aber stärker. Die Niederdruck-AGR nutzt das bereits gefilterte Abgas hinter dem DPF, arbeitet sauberer und verbrauchsgünstiger und übernimmt vor allem den höheren Lastbereich. Damit sie funktioniert, braucht sie die Abgasklappe, um das nötige Druckgefälle aufzubauen, und einen Differenzdrucksensor, um die zurückgeführte Menge zu erfassen.
2. Relevante Grundeinstellungen im Überblick
In der Blockliste der Grundeinstellung findest du die AGR-Routinen. Welche davon sichtbar sind, hängt von Motor, Software-Stand und Ausstattung ab (nicht jeder Motor hat eine Niederdruck-AGR).

| Block | Grundeinstellung | Zweck |
|---|---|---|
| 778 | Prüfung der Abgasrückführung | Aktiver Funktionstest der AGR-Strecke |
| 816 | Adaption des Abgasrückführungsventils | Lernt die Endlagen des AGR-Ventils neu |
| 834 | Prüfung der Regelabweichung der Abgasrückführung | Prüft, ob Soll- und Ist-AGR-Rate zusammenpassen |
| 1073 | Adaption Niederdruck-AGR-Ventil | Lernt die Endlagen des ND-AGR-Ventils neu |
| 1075 | Adaption der Abgasklappe | Lernt die Endlagen der Abgasklappe neu |
| 1076 | Adaption Differenzdrucksensor Niederdruck-AGR | Referenziert den Nullpunkt des ND-AGR-Differenzdrucksensors |
| 1088 | Manuelle Prüfung des Niederdruck-AGR-Ventil | Anwendergesteuertes Ansteuern zum Beweglichkeits-Check |
| 1089 | Manuelle Prüfung Abgasklappe | Anwendergesteuertes Ansteuern der Abgasklappe |
| 1245 | Automatische Prüfung des Niederdruck-AGR-Filters | Steuergerätgesteuerte Prüfung des ND-AGR-Filters |
Prüfung vs. Adaption vs. manuelle Prüfung: Eine Prüfung stellt nur fest, ob ein Bauteil funktioniert (Ergebnis bestanden/nicht bestanden), ohne Lernwerte dauerhaft zu ändern. Eine Adaption verändert dagegen gezielt die Lernwerte des Steuergeräts (z. B. Endlagen nach einem Tausch). Eine manuelle Prüfung überlässt dir die Ansteuerung, damit du die Bewegung selbst beobachten kannst.
🔧 Faustregel Motorzustand – Motor läuft oder nicht?
- Prüfungen (Blöcke 778, 834, 1245) laufen bei laufendem, betriebswarmem Motor im Leerlauf. Das Steuergerät steuert das Ventil aktiv an und misst die Reaktion (z. B. die Luftmasse) – dafür ist ein realer Abgas- bzw. Luftstrom nötig. Bei der Prüfung wird das AGR-Ventil im Wechsel auf- und zugesteuert; die Luftmasse muss dabei messbar reagieren.
- Adaptionen (Blöcke 816, 1073, 1075, 1076) und die manuellen Prüfungen (Blöcke 1088, 1089) laufen bei Zündung ein und Motor aus. Endlagen bzw. der Sensor-Nullpunkt werden ohne Abgasstrom angelernt, das Stellglied ohne Verbrennung bewegt und beobachtet. Sorge dabei für stabile Bordnetzspannung (Richtwert ca. 12,5 V).
⚠️ Nicht verwechseln: Block
1076„Adaption Differenzdrucksensor Niederdruck-AGR” betrifft den Sensor der Niederdruck-AGR-Strecke – nicht den DPF-Differenzdrucksensor. Für Arbeiten am Partikelfilter ist ein anderer Block zuständig.
3. Voraussetzungen
- Diagnose-Interface ist verbunden (Statusleiste unten zeigt z. B. „Verbunden mit … Adapter bereit.”)
- Das Steuergerät 01 – Motorelektronik ist geöffnet, Reiter Grundeinstellung
- Die auslösende Arbeit ist abgeschlossen (Ventil/Kühler gereinigt oder getauscht, Stecker und Schläuche sitzen dicht)
- Motorzustand je nach Routine (siehe Faustregel in Abschnitt 2): aktive Prüfungen bei laufendem, betriebswarmem Motor im Leerlauf, Adaptionen und manuelle Prüfungen bei Zündung ein, Motor aus. Das Steuergerät gibt die Bedingung vor und bricht ab, wenn sie nicht erfüllt ist
- Stabile Bordnetzspannung (bei Bedarf Ladegerät anschließen)
- Den Fehlerspeicher des Motorsteuergeräts vorher auslesen und nach behobener Ursache löschen
4. Prüfung der Abgasrückführung
Die Prüfung der Abgasrückführung (Block 778) ist ein aktiver Funktionstest, kein Anlernvorgang. Sie läuft bei laufendem, betriebswarmem Motor im Leerlauf – nur dann liegt ein realer Abgas- und Luftstrom an, dessen Reaktion sich messen lässt. Nach dem Klick auf Start steuert das Steuergerät das AGR-Ventil gezielt an – es öffnet und schließt es – und beobachtet dabei die Reaktion der übrigen Sensorik, vor allem die Luftmasse (Luftmassenmesser):
- Öffnet das Ventil, strömt zurückgeführtes Abgas in den Ansaugtrakt und verdrängt Frischluft – die gemessene Luftmasse muss messbar sinken.
- Schließt das Ventil wieder, steigt die Luftmasse zurück.
Reagiert die Luftmasse erwartungsgemäß, gilt die AGR-Strecke als funktionsfähig. Bleibt die Reaktion aus oder fällt zu klein aus, deutet das auf ein festsitzendes, verkoktes oder undichtes Ventil, verstopfte Kanäle oder einen defekten Steller hin. Das Ergebnis meldet das Steuergerät als bestanden / nicht bestanden; Lernwerte werden dabei nicht dauerhaft verändert.
Ergänzend prüft Block 834 „Prüfung der Regelabweichung der Abgasrückführung”, ob die tatsächlich zurückgeführte Menge zur vom Steuergerät angeforderten Menge passt – eine zu große Abweichung ist der klassische Auslöser für den Fehler „Regelabweichung Abgasrückführung”.
5. Adaptation des Abgasrückführungsventils
Die Adaption des Abgasrückführungsventils (Block 816) ist ein Anlernvorgang und läuft bei Zündung ein und Motor aus (stabile Bordnetzspannung, Richtwert ca. 12,5 V): Das Steuergerät fährt das AGR-Ventil an seine mechanischen Endanschläge (vollständig geschlossen und vollständig geöffnet) und speichert die zugehörigen Positionswerte des Positionsgebers als neue Lernwerte. Weil hier keine Reaktion des Abgasstroms gemessen wird, darf – und soll – der Motor dabei stehen.
Damit weiß die Regelung wieder exakt, welcher Ansteuerwert welcher realen Ventilstellung entspricht. Nötig ist die Adaption vor allem:
- nach dem Tausch des AGR-Ventils,
- nach dem Reinigen des Ventils (veränderte Reibung/Endlage durch entfernte Ablagerungen),
- wenn ein Fehler auf nicht plausible Ventilposition oder eine fehlende Grundeinstellung hinweist.
Ohne diese Adaption rechnet das Steuergerät mit den alten Positionswerten – die Regelung wird ungenau, die AGR-Rate stimmt nicht mehr, und es drohen erneute Regelabweichungs-Fehler. Anders als die Prüfung aus Schritt 4 verändert die Adaption die gespeicherten Lernwerte dauerhaft.
Für die Niederdruck-Strecke gibt es die entsprechenden Adaptionen als eigene Blöcke: 1073 (ND-AGR-Ventil), 1075 (Abgasklappe) und 1076 (Differenzdrucksensor).
6. Manuelle Prüfung des Niederdruck-AGR-Ventils
Die Manuelle Prüfung des Niederdruck-AGR-Ventils (Block 1088) lässt dich das ND-AGR-Ventil ansteuern, statt den Ablauf allein dem Steuergerät zu überlassen. Sie läuft bei Zündung ein und Motor aus, damit sich das Stellglied gefahrlos ohne Abgasstrom durchfahren und beobachten lässt. Du gibst eine Stellung vor (öffnen/schließen bzw. schrittweise) und beobachtest die Positionsrückmeldung und die Bewegung des Ventils.
Zweck ist die mechanische Beweglichkeitsprüfung: Das Niederdruck-AGR-Ventil sitzt im Abgasstrom hinter dem DPF und kann durch Rußablagerungen schwergängig werden oder festsitzen. In der manuellen Prüfung erkennst du,
- ob das Ventil dem Ansteuerbefehl sauber und vollständig folgt,
- ob es an einer Stelle hängt, klemmt oder verzögert reagiert,
- ob die Positionsrückmeldung zur befohlenen Stellung passt.
So lässt sich gezielt beurteilen, ob das Ventil noch in Ordnung ist, gereinigt werden muss oder zu tauschen ist – bevor man eine Adaption durchführt oder ein Bauteil unnötig wechselt. Für die Abgasklappe gibt es mit Block 1089 die gleiche manuelle Prüfung; 1245 prüft den ND-AGR-Filter dagegen automatisch (steuergerätgesteuert).
7. Ergebnis prüfen
- Lösche den Fehlerspeicher und lies ihn erneut aus – es darf kein neuer AGR-Fehler (Regelabweichung, Ventilposition, Differenzdruck) hinterlegt sein.
- Kontrolliere in den Messwertblöcken die AGR-relevanten Werte auf Plausibilität, z. B. Soll- und Ist-AGR-Rate, Luftmasse und Ventilposition. Bei geschlossenem Ventil sollte die Luftmasse dem Frischluftbedarf entsprechen.
- Mache eine kurze Probefahrt – möglichst mit angeschlossener Diagnose – über verschiedene Lastpunkte und prüfe, dass die AGR sauber regelt und kein Fehler wiederkehrt.
8. Fallstricke und Hinweise
- Ursache zuerst beheben: Adaption und Prüfung setzen ein mechanisch intaktes Bauteil voraus. Ein verkoktes, festsitzendes Ventil wird durch das Anlernen nicht wieder gängig – erst reinigen/tauschen, dann adaptieren.
- Richtige Strecke wählen: Hochdruck- und Niederdruck-AGR haben getrennte Ventile und Blöcke. Prüfe zuerst, welche Strecke betroffen ist, und wähle den passenden Block (778/816 für HD, 1073/1075/1076/1088/1089/1245 für ND).
- Reihenfolge beachten: Sinnvoll ist meist manuell/prüfen → reinigen oder tauschen → adaptieren → erneut prüfen. Eine Adaption vor der Reparatur lernt nur den schlechten Zustand ein.
- Bedingungen kommen vom Steuergerät: Welche Werte angezeigt werden und welche Voraussetzungen (Motor aus/an, Temperatur, Spannung) gelten, gibt das Steuergerät vor; bei nicht erfüllten Bedingungen läuft die Routine nicht.
- Differenzdrucksensor nicht verwechseln: Der ND-AGR-Differenzdrucksensor
(Block
1076) ist nicht der DPF-Differenzdrucksensor – achte auf die richtige Strecke und Teilenummer. - Fehlende Blöcke: Je nach Motor, Software-Stand und Codierung sind nicht alle Blöcke sichtbar oder leicht anders benannt – das ist normal und kein Fehler. Hat der Motor keine Niederdruck-AGR, fehlen die zugehörigen Blöcke vollständig.