CarPort Docs

Software-Dokumentation

💡 Diese Dokumentation bezieht sich auf die CarPort Version 3.2. Ältere oder neuere Versionen können abweichende Funktionen aufweisen.

Zugriffsberechtigung & SFD

Zugriffsberechtigung, SFD und Secure Gateway: Wie VAG-Fahrzeuge Codierung und Anpassung schützen und was das für die Diagnose mit CarPort bedeutet.

Lesende Funktionen wie Fehlerspeicher, Messwerte und Steuergeräteinfos stehen bei allen Fahrzeugen uneingeschränkt zur Verfügung. Schreibende Funktionen wie Codierung, Anpassung und Grundeinstellung sichert der Volkswagen-Konzern dagegen je nach Fahrzeuggeneration unterschiedlich ab. Für die Diagnosearbeit mit CarPort ist es wichtig, die Unterschiede zu kennen, da sie den verfügbaren Funktionsumfang direkt beeinflussen.

Schutzstufen im Überblick

In der Fahrzeugliste sind neuere Modelle mit den Hinweisen SFD und SFD/UNECE gekennzeichnet. Die folgende Tabelle zeigt, welche Funktionen je nach Schutzstufe verfügbar sind:

Fahrzeuggeneration Schutz Lesende Funktionen Fehlerspeicher löschen Schreibende Funktionen
Vor 2020 Zugriffsberechtigung / Login Uneingeschränkt Uneingeschränkt Nach Eingabe des Zugangscodes
Ab ca. 2020 (SFD) SFD Uneingeschränkt Uneingeschränkt Nach SFD-Freischaltung (Token/Key)
Ab ca. 2024 (SFD/UNECE) Secure Gateway + SFD Uneingeschränkt Uneingeschränkt Nach Gateway-Authentifizierung + SFD-Freischaltung

Zugriffsberechtigung

Zugriffsberechtigung

Die Zugriffsberechtigung ist ein Schutzmechanismus, der bestimmte Diagnosefunktionen eines Steuergeräts erst nach Eingabe eines 5-stelligen Zifferncodes freischaltet. Damit wird verhindert, dass sicherheits- oder zulassungsrelevante Parameter versehentlich oder unbefugt verändert werden.

  • Protokolle: Ausschließlich bei KWP2000 und UDS. Bei KWP1281 wird stattdessen die Funktion Login verwendet, bei KWP2000 gibt es zusätzlich die Funktion Codierung II.

Welche Funktionen werden geschützt?

Die Zugriffsberechtigung wird typischerweise für folgende Aktionen benötigt:

Mehrere Zugriffsebenen:

Ein Steuergerät kann über mehrere Zugriffscodes verfügen, die jeweils unterschiedliche Funktionsbereiche freischalten. So kann beispielsweise ein Code die Anpassung erlauben, während ein anderer Code für die Grundeinstellung erforderlich ist.

💡 Tipp: Liegen für das Steuergerät Beschreibungsdaten vor, zeigt CarPort die verfügbaren Zugriffsebenen mit Klartextnamen in einer Auswahlliste an. Eine Übersicht häufig benötigter Codes findest du unter Zugriffscodes für VAG-Steuergeräte.

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Gib den 5-stelligen Zugangscode in das Eingabefeld ein oder wähle bei vorhandenen Beschreibungsdaten den passenden Eintrag aus der Liste.
  2. Klicke auf Anfordern....
  3. Bestätige die Anfrage im angezeigten Dialog.
  4. Bei Erfolg wird die entsprechende Funktionsebene freigeschaltet. CarPort zeigt dies in der Statusanzeige an.

Verhalten bei Falscheingabe:

Wird ein falscher Code eingegeben, sperrt das Steuergerät weitere Zugriffsversuche für eine herstellerdefinierte Wartezeit (häufig 10–30 Sekunden, bei wiederholter Falscheingabe auch länger). Während dieser Sperrzeit lehnt das Steuergerät jeden weiteren Code ab – auch den korrekten.

⚠️ Achtung: Warte nach einer Falscheingabe die vollständige Sperrzeit ab, bevor du einen neuen Versuch startest. Eine sofortige erneute Eingabe – selbst mit dem korrekten Code – kann vom Steuergerät abgelehnt werden und die Sperrzeit verlängern.

Login / Codierung II

Die Funktionen Login und Codierung II sind Schutzmechanismen der älteren Diagnoseprotokolle KWP1281 und KWP2000. Sie erfüllen eine ähnliche Aufgabe wie die Zugriffsberechtigung, unterscheiden sich aber in ihrer Funktionsweise.

Unterschied zur Zugriffsberechtigung:

Eigenschaft Zugriffsberechtigung Login / Codierung II
Protokolle KWP2000, UDS KWP1281, KWP2000
Wirkung Schaltet eine Funktionsebene frei Führt eine Aktion direkt aus oder kombiniert Freischaltung mit Codierung
Codeformat 5-stelliger Zifferncode 5-stelliger Zifferncode

Login:

Der Login überträgt einen Code an das Steuergerät, der eine bestimmte Funktion direkt freischaltet oder auslöst. Im Gegensatz zur Zugriffsberechtigung, die lediglich eine Berechtigungsebene öffnet, kann ein Login unmittelbar eine Konfigurationsänderung bewirken.

Codierung II:

Die Codierung II kombiniert die Eingabe eines Codes mit einer gleichzeitigen Codierungsänderung. Damit lassen sich Funktionen freischalten, die nicht über die reguläre Codierung zugänglich sind. Ein typisches Beispiel ist die Freischaltung der Geschwindigkeitsregelanlage (GRA): Durch Eingabe des passenden Codes wird die GRA-Funktion im Steuergerät aktiviert.

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Gib den Code in das Eingabefeld ein oder wähle bei vorhandenen Beschreibungsdaten den passenden Eintrag aus der Liste.
  2. Klicke auf Login....
  3. Bestätige die Aktion im angezeigten Dialog.

ℹ️ Hinweis: Ob ein Steuergerät Login oder Codierung II unterstützt, ist steuergerätespezifisch und hängt von der Firmware ab. Nicht jedes Steuergerät bietet diese Funktion an. Liegen Beschreibungsdaten vor, zeigt CarPort die verfügbaren Login-Optionen mit Klartext-Bezeichnungen an.

SFD (Schutz der Fahrzeugdiagnose)

SFD

SFD (Schutz der Fahrzeugdiagnose) ist ein kryptografischer Schutzmechanismus, den der Volkswagen-Konzern ab ca. Modelljahr 2020 (Golf 8, Octavia 4, SEAT Leon 4 u. a.) in seinen Steuergeräten einsetzt. Er ersetzt bei diesen Fahrzeugen die bisherige Zugriffsberechtigung (Security Access) und schützt schreibende Diagnosefunktionen wie Codierung, Anpassung und Grundeinstellung vor unbefugtem Zugriff.

Unterschied zur Zugriffsberechtigung:

Eigenschaft Zugriffsberechtigung SFD
Schutzverfahren Statischer 5-stelliger Zifferncode Kryptografisches Challenge-Response-Verfahren (Token + Key)
Fahrzeugbindung Code gilt für alle Fahrzeuge mit gleichem Steuergerät Key ist an die individuelle Fahrgestellnummer (VIN) gebunden
Protokolle KWP2000, UDS Nur UDS
Gültigkeitsdauer Dauerhaft gültig Zeitlich oder pro Sitzung begrenzt (herstellerabhängig)

Wie erkennt man ein SFD-geschütztes Steuergerät?

Ist ein Steuergerät durch SFD geschützt, zeigt CarPort nach dem Verbindungsaufbau den Reiter SFD an. Der Reiter Zugriffsberechtigung ist in diesem Fall nicht vorhanden. Ohne vorherige SFD-Freischaltung sind schreibende Funktionen (Codierung, Anpassung, Grundeinstellung) gesperrt – lesende Funktionen wie Fehlerspeicher auslesen und Messwerte bleiben weiterhin uneingeschränkt verfügbar.

Freischaltung über das Offline-Verfahren:

CarPort unterstützt die SFD-Freischaltung über ein Offline-Verfahren. Dabei wird zunächst ein fahrzeugindividueller Token generiert, der anschließend bei einem externen Dienst (Drittanbieter) gegen einen Freischaltcode (Key) eingetauscht wird.

ℹ️ Wichtig: CarPort kann keine SFD-Keys selbst generieren. Die Key-Berechnung erfolgt ausschließlich über externe Online-Dienste (Drittanbieter). CarPort unterstützt jedoch den gesamten Prozess der Token-Generierung und Key-Anwendung, um die Freischaltung so einfach wie möglich zu gestalten.

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Öffne den Reiter SFD im verbundenen Steuergerät. Der Bereich SFD-Status zeigt den aktuellen Schutzzustand an.
  2. Wähle unter SFD-Steuerung die Option SFD-Token generieren und klicke auf Anwenden.
  3. Das Steuergerät generiert einen individuellen Token, der in CarPort angezeigt wird. Zusätzlich wird die Fahrgestellnummer (VIN) angezeigt.
  4. Kopiere beide Werte (Token und VIN). Über die Schaltfläche In Datei speichern... kannst du beide Werte komfortabel in einer Textdatei speichern.
  5. Öffne den Online-Dienst eines SFD-Anbieters (Drittanbieter) und gib dort den Token und die VIN ein, um den Freischaltcode (Key) zu erhalten.
  6. Wechsle zurück zu CarPort. Wähle unter SFD-Steuerung die Option Mit SFD-Key entsperren, gib den erhaltenen Key ein und klicke auf Anwenden.
  7. Bei erfolgreicher Freischaltung zeigt CarPort eine Bestätigung an. Die schreibenden Diagnosefunktionen sind nun verfügbar.

ℹ️ Hinweis: Die SFD-Freischaltung kann je nach Steuergerät zeitlich begrenzt sein. Nach Ablauf oder nach dem Trennen der Verbindung muss der Vorgang ggf. erneut durchgeführt werden.

Secure Gateway (SFD/UNECE)

Ab Modelljahr 2024 implementiert der Volkswagen-Konzern zusätzlich zu SFD ein sogenanntes Secure Gateway in Verbindung mit der UNECE-Regelung R155 (UN-Verordnung zur Cybersicherheit von Fahrzeugen). Diese Kombination wird in der Fahrzeugliste als SFD/UNECE gekennzeichnet und häufig auch als SFD2 bezeichnet.

Das Secure Gateway ist eine Zugangssperre auf Gateway-Ebene, die bereits den Kommunikationsweg zwischen Diagnoseinterface und Steuergerät einschränkt – noch bevor die Steuergeräte-eigene SFD-Absicherung greift. Es handelt sich somit um eine zweistufige Absicherung:

Stufe Mechanismus Ebene Wirkung
1. Secure Gateway Gateway filtert Diagnosebefehle Fahrzeug-Gateway (Adr. 19) Nur autorisierte Befehle werden an Steuergeräte weitergeleitet
2. SFD Kryptografische Authentifizierung Einzelnes Steuergerät Schreibende Funktionen erst nach Token/Key-Freischaltung

Auswirkungen auf die Diagnose mit CarPort:

Ohne zusätzliche Authentifizierung gegenüber dem Secure Gateway sind bei SFD/UNECE-Fahrzeugen folgende Funktionen verfügbar:

  • Fehlerspeicher auslesen
  • Fehlerspeicher löschen
  • Steuergeräteinfos lesen
  • Messwerte lesen

Folgende Funktionen sind nicht verfügbar, solange keine Gateway-Authentifizierung erfolgt:

  • Codierung
  • Anpassung
  • Grundeinstellung
  • Stellgliedtest
  • Verbauliste ändern

Außerdem steht nur der OBD-Diagnosemodus zur Verfügung (siehe Diagnosemodus).

⚠️ Wichtig: Die Freischaltung des Secure Gateway erfordert eine Authentifizierung auf Gateway-Ebene, die über den bisherigen SFD-Mechanismus hinausgeht. Dies ist eine herstellerseitige Einschränkung, die alle unabhängigen Diagnosesysteme gleichermaßen betrifft. CarPort unterstützt die SFD-Freischaltung auf Steuergeräteebene (siehe SFD), die Gateway-Authentifizierung hängt jedoch von der Verfügbarkeit kompatibler Freischaltdienste ab.